07.12.2010

So isst die Stadt. Esskultur und die Eigenlogik der Städte

Konferenz vom 6. – 7. Mai 2011, Darmstadt (TU Darmstadt, Rundeturmstraße 10, 64283 Darmstadt, S3|20)

In Frankfurt isst man anders als in Marseille oder Kopenhagen. Können Städte also darüber charakterisiert werden, was und wie man in ihnen isst und trinkt? Was vermag jener „kulinarische Materialismus“ (Jakob Tanner), der sich über die Zeit in lokale ‚Geschmackslandschaften’ verfestigt, über die Stadt und die Städte erzählen? Geographie (Fisch in Hafenstädten, Klima, Boden) und Verfügbarkeit, regionale Nahrungsmittelproduktion und Lebensstile (Weinanbau und Esskultur am Kaiserstuhl/Baden), handwerkliche Traditionen (Lebkuchen in Nürnberg), die Lage als bedeutender Handelsplatz (Schokolade in Turin) oder lokale Migrationskulturen (Portugiesen in Hamburg, Türken in Berlin) bilden die territorialen, landschaftlichen und kulturellen Ressourcen, die sich in Städten zu spezifischen Esskulturen, zur Esskultur der jeweiligen Stadt verdichten.

Essen und Trinken und die ihnen inkorporierten sozialen und kulturellen Arrangements gehören zu einer Klasse von Phänomenen, die sämtliche Bereiche des menschlichen Lebens durchdringen. Jede dieser Tätigkeiten konnotiert zugleich und gleichzeitig biologische, ökonomische, politische, soziale und nicht zuletzt ästhetische Rahmungen. Ausgehend von der These, dass Städte eigenlogische Formen der Vergesellschaftung hervorbringen, soll auf der internationalen Konferenz „So isst die Stadt. Esskultur und die Eigenlogik der Städte“ der Frage nachgegangen werden, wie sich das Spezifische einer Stadt in ihren Geschmack und ihre Kulinarik eingeschrieben habt. Kochen, Essen und Trinken sollen nicht als Phänomene in einer Stadt, sondern als verdichteter Sinnzusammenhang einer spezifischen Stadt verstanden und beschrieben werden. Wie schmeckt Wien und wie unterscheidet sich New York? Konkurrieren Städte auch über ihre spezifischen Esskulturen?

Die Konferenz will am Beispiel der Esskultur der Frage nachgehen, wie sich Städte unterscheiden und auf welche stadtspezifische Art und Weise Städte Essen und Trinken strukturieren. Als Phänomen, das in besonderer Weise die Identität von Städten prägt, ist das Thema besonders geeignet, Elemente der Eigenlogik der Städte zu untersuchen.


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PROGRAMM

Freitag| 6. Mai 2011

09:30 Begrüßung

Essen und Stadt

10:00 Helmuth Berking (Soziologe, TU Darmstadt): Kochen, Essen und Trinken. Anmerkungen zur Stadt im Geschmack

11:00 Harald Lemke (Gastrosoph, Universität Lüneburg): Worin besteht das Recht auf eine Stadt, die demokratisch isst?

12:00 Pause

12:15 Marc Ries (Soziologe, HfG Offenbach): Wien, wie es isst… Geoästhetische Formationen in der und den Wiener Küche(n)

13:15 Mittagspause

Kochen und Stadt

14:30 Peter J. Atkins (Geograph, Durham University GB): „A Tale of Two Cities“: The Food Supply of Paris and London, 1850-1900

15:30 Gideon Reuveni (Historiker, Universität Greifswald): Kosher in the City

16:30 Pause

Esskultur und Stadt

16:45 Claus Dreyer (Architekt, Hochschule Ostwestfalen-Lippe): Esskultur und Architektur der Stadt

17:45 Karl Heinz Goetze (Literaturwissenschaftler/Gastronomiekritiker, Universität Aix-en-Provence): Über einige Koordinaten der kulinarischen Geographie Frankreichs

19.30 Dinner bei Müller & Müller: „Darmstadt: Die Großstadt im Walde“ und Food-Art-Performance von Ute Ritschel: „Darmstadt: Alles in Pudding“ (Anmeldung bis 20.04.2011 unbedingt erforderlich! Preis: ca. 30€/Person)

Samstag| 7. Mai 2011

Lokale Küche

10:00 Ulf Matthiesen (Ethnologe/Soziologe, HU Berlin): Sind stadtregionale Nahrungsmittel-Kreisläufe „Eigenlogik-Verstärker“?

11:00 Ingrid Breckner / Toralf González (Soziologen, Hafen City Universität Hamburg): „… So isst Hamburg“: Produktion von Lebensmitteln in Norddeutschland und urbane Konsumpraxis

12:00 Pause

12:15 Peter Noller (Soziologe, LOEWE-Schwerpunkt „Eigenlogik der Städte“): Der Geschmack von Frankfurt. Eine Annäherung

13:15 Mittagspause / Imbiss

Koch und Kritiker

14:00 Wolfram Siebeck (Gastronomiekritiker): Die Stadt als gastronomisches Zentrum

14:30 Klaus Trebes (Restaurant Gargantua, Frankfurt): „Vom Frankenland nach Frankfurt“: Historische Veränderung des Geschmacks einer Stadt

15:00 Moderierte Diskussion mit Ruth Fühner (hr2)

16:00 Ende der Veranstaltung

ANMELDUNG: Bitte melden Sie sich sowohl zur Teilnahme an der Konferenz als auch zum Dinner bei „Müller & Müller“ frühzeitig per E-Mail oder Fax an: bzw. Faxnummer 06151-16-72050. Die TeilnehmerInnenzahl für das Dinner ist begrenzt, Anmeldeschluss ist der 20.04.2011. Der Teilnahmebeitrag für die Konferenz beträgt 20,- €, zu zahlen vor Ort. Das Dinner bei Müller & Müller wird voraussichtlich ca. 30,- € kosten.

Kontakt/Koordination: Peter Noller und Victoria Savelsberg, Geschäftsstelle LOEWE-Schwerpunkt „Eigenlogik der Städte“, Technische Universität Darmstadt, E-Mail: , Telefon Sekretariat: 06151-16-5092.

Konzeption: Peter Noller (Geschäftsführung LOEWE-Schwerpunkt „Eigenlogik der Städte“) und Helmuth Berking (Institut für Soziologie).

Peter Noller

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